Inspiration

Jenseits aller Genres: Cory Henry folgt der Musik, nicht den Regeln

Vom Gospel über Jazz bis hin zu Funk, Soul und vielen weiteren Stilen: Cory Henry hat sich nie in ein einziges Genre einordnen lassen. In dieser Folge von Off The Record spricht er darüber, warum großartige Musik mit Neugier beginnt, warum Genres die Kreativität nie einschränken sollten und wie die Entscheidung, seiner Inspiration zu folgen, jede Phase seiner Karriere geprägt hat.

Manche Künstler*innen verbringen ihre ganze Karriere damit, ihren eigenen Sound zu finden. Cory Henry dagegen hat nie aufgehört, seinen zu erweitern.

Zwischen Gospel, Jazz, Funk, Soul, R&B und unzähligen musikalischen Zusammenarbeiten hat sich seine Musik schon immer jeder Schublade entzogen. Als wir ihn für Off The Record trafen, wurde schnell klar: Das ist kein Zufall.

Für Cory beginnt großartige Musik nie mit einem Genre. Sie beginnt mit einem Gefühl.

Ganz gleich, ob er einen Song schreibt, auf der Bühne improvisiert oder im Studio mit einer neuen Idee experimentiert: Er fragt sich nicht, in welche Kategorie das Ganze passt. Stattdessen stellt er sich eine viel einfachere Frage:

Bewegt es mich?

Dieser Ansatz hat eine der unverwechselbarsten Karrieren der modernen Musik geprägt. Und er erinnert alle, die kreativ arbeiten, an etwas Wichtiges: Die besten Ideen entstehen oft dann, wenn du dir keine Gedanken mehr darüber machst, in welche Kategorie sie passen sollten.

Lass dich von der Inspiration leiten

Kreative Routinen können hilfreich sein. Doch für Cory dürfen sie niemals zu festen Regeln werden.

Im Laufe der Jahre hat er sich bewusst von der Vorstellung verabschiedet, dass jeder Song auf die gleiche Weise beginnen muss.

„Ich habe mich ein Stück weit von der Vorstellung verabschiedet, Songs nach einer Formel zu schreiben. Das Schlagzeug muss nicht zuerst kommen. Das Keyboard auch nicht. Manchmal kommt zuerst der Gesang. Manchmal eine Textzeile.“

Statt seine Ideen in einen festen Workflow zu pressen, folgt Cory einfach dem, was zuerst auftaucht.

Manchmal ist es eine Melodie.

Manchmal eine Akkordfolge.

Manchmal eine Textzeile.

Und manchmal ist es einfach ein Gefühl, das nicht verschwinden will.

Diese Freiheit spiegelt sich auch in dem Song wider, den er für Jam Sessions von Moises geschrieben hat.

„Ich wollte einfach etwas machen, das Spaß macht ... etwas, bei dem alle mitmachen können.“

Bei dem Song ging es nicht um musikalische Komplexität.

Er sollte anderen Musizierenden Raum geben, einzusteigen, zu experimentieren und etwas Eigenes daraus zu machen.

Denk beim Musikmachen nicht in Schubladen

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Gespräch ergab sich, als Cory erklärte, wie er über Genres denkt.

Genauer gesagt …

Er denkt überhaupt nicht darüber nach.

„Ich denke überhaupt nicht in Genres. Ich denke an den Spirit. Ich denke an die Seele. Ich denke an das, was mich bewegt.“

Das bedeutet nicht, dass er musikalische Traditionen ignoriert. Ganz im Gegenteil.

Er ist in der Kirche aufgewachsen, hat Jazz studiert, Funk gespielt und Soul, Hip-Hop, Pop sowie unzählige andere Stile gehört. Dadurch hat er großen Respekt vor jeder musikalischen Sprache entwickelt.

Er kennt die Regeln. Er glaubt nur nicht, dass sie zu Mauern werden sollten.

„Ich versuche, alle Schubladen aufzubrechen. Für mich entsteht die beste Musik außerhalb dieser Schubladen.“

Diesen Gedanken können wohl alle nachvollziehen, die kreativ arbeiten. Wenn du dein Handwerk lernst, bekommst du das nötige Vokabular.

Doch die eigene Stimme findest du oft erst, wenn du nicht mehr fragst, ob eine Idee in ein bestimmtes Genre passt, sondern ob sie sich ehrlich anfühlt.

Vertrau der Musik, auch wenn andere es nicht tun

Dem eigenen Instinkt zu folgen, klingt inspirierend. Wirklich danach zu leben, ist nicht immer leicht.

Cory erinnert sich daran, dass ihm gesagt wurde, bestimmte Ideen hätten in der Kirche nichts zu suchen. Als er später außerhalb der Kirche auftrat, wurden auch diese Entscheidungen infrage gestellt.

Dasselbe geschah erneut, als er Snarky Puppy verließ, um seinen eigenen Weg zu gehen.

Ganz gleich, wohin er ging: Irgendjemand wollte ihm immer sagen, wo er hingehört.

*„Die Leute haben immer eine Meinung dazu, was ich ihrer Ansicht nach tun sollte ... Ich versuche wirklich, so gut ich kann, Gott und der Musik zu folgen.“

Heute sieht Cory diese Momente nicht als Rückschläge. Für ihn waren sie ein Teil des Weges zu dem Künstler, der er sein sollte.

Gerade weil er seinem Instinkt statt den Erwartungen anderer vertraut hat, erreicht seine Musik heute Menschen weit über die Grenzen eines einzelnen Genres hinaus.

Mach Musik, die dein Leben widerspiegelt

Gegen Ende unseres Gesprächs teilte Cory vielleicht seine persönlichste Erkenntnis mit uns.

Er macht keine Musik mehr für die Charts.

Oder für Algorithmen.

Oder für kommerziellen Erfolg.

Er macht Musik, die festhält, wer er in diesem Moment ist.

„Meine Platten sind Momentaufnahmen einer bestimmten Zeit.“

Jedes Album wird zu einer Momentaufnahme seines Lebens.

Die Triumphe.

Die Herausforderungen.

Die Lektionen.

Die Entwicklung.

Wie er selbst erklärte:

„Die besten Ideen entstehen, wenn ich das Leben wirklich lebe ... mit allem Guten und Schlechten. Beides bringt die besten Songs hervor.“

In einer Welt, die Musizierende oft dazu drängt, Trends hinterherzulaufen, ist das eine erfrischende Perspektive. Cory erinnert uns daran, dass unsere eigenen Erfahrungen das Einzige sind, was niemand sonst nachahmen kann.

Kreativität beginnt mit Neugier

Wenn es eine Erkenntnis gab, zu der wir in unserem Gespräch mit Cory Henry immer wieder zurückkehrten, dann diese:

Fang nicht beim Genre an.

Fang nicht bei den Erwartungen an.

Fang mit Neugier an.

Lerne die Traditionen kennen.

Respektiere das Handwerk.

Doch hab keine Angst, einer Idee zu folgen, auch wenn sie dich in eine unerwartete Richtung führt. Denn die Songs, die in Erinnerung bleiben, passen meist nicht perfekt in eine Schublade.

Es sind die Songs, die mutig genug waren, eine neue zu erschaffen.

Malcolm Perry

Malcolm ist ein Werbetexter aus Los Angeles mit über sieben Jahren Erfahrung. Er ist außerdem Musikproduzent und Songwriter und hat bereits mit bekannten Künstlern verschiedener Musikrichtungen zusammengearbeitet. Wenn er nicht gerade Texte verfasst oder Musik produziert, experimentiert er als begeisterter Koch und Feinschmecker in seiner Küche, um Food-Inhalte zu erstellen, oder ist auf dem Golfplatz.