Moises-Tutorials

Wie ich endlich das Gitarrensolo gelernt habe, um das ich einen Bogen gemacht habe

Monatelang blieb ein Lick am Ende eines Solos außer Reichweite: Es war zu schnell, um es herauszuhören. Die Lösung war, die Gitarre zu isolieren, zu verlangsamen und das ganze Solo an einem Nachmittag zu lernen. Ich zeige dir genau, wie ich vorgegangen bin.

Der Lick, um den ich immer einen Bogen gemacht habe

Eine Zeit lang wollte ich das Solo eines Songs lernen und schaffte es einfach nicht. Da war dieser eine Lick am Ende des Solos, zu schnell und etwas matschig im Klang. Die meisten Gitarrenspuren sind mit einer Handvoll anderer Instrumente abgemischt, und das macht es schwer, einzelne Noten und Details herauszuhören.

Genau so war es bei diesem Song, also blieb das Solo liegen. Alle paar Monate holte ich den Track wieder hervor, hing an denselben vier Takten fest und schloss den Tab wieder.

Alles änderte sich, als ich den Song zerlegt habe

Irgendwann habe ich meine Herangehensweise geändert. Statt mich weiter durchzuraten, wie unzählige Male zuvor, habe ich den Song wirklich zerlegt und genau gehört, was da passiert. Nicht einfach das Solo loopen und hoffen, dass es irgendwann klickt, sondern es Stück für Stück aufbrechen, alles stummschalten, was zur Verwirrung beitrug, und nur das stehen lassen, was mir bei diesem Lick helfen konnte. Darauf läuft es beim Lernen eines fremden Solos hinaus: Du musst es klar genug hören, um es auf deinem eigenen Instrument wieder aufzubauen.

Isolier die Gitarre und geh direkt zur schweren Stelle

Ich habe den ganzen Song in Moises gezogen und hatte dank der Stemtrennung jedes Instrument der Spur einzeln vor mir: Bass, Schlagzeug, Keyboard, Gitarren. Jetzt musste ich nur noch die Leadgitarre isolieren und alles andere kurz beiseitelassen.

Mit dieser Kontrolle musste ich nicht den ganzen Song durchlaufen, um an die Stelle zu kommen, die ich üben wollte. Moises hat eine Funktion namens Abschnitte, die dich direkt an die gewünschte Stelle bringt. Also bin ich zum Solo gesprungen und habe nur diesen Abschnitt geloopt, um mich auf die paar Takte zu konzentrieren, die ich entschlüsseln wollte.

Verlangsame es, bis du dich wohlfühlst

Als die Leadgitarre isoliert und das Solo geloopt war, musste alles langsamer werden. Ich habe das Auto-Metronom genutzt, um das Tempo auf etwa 96 BPM zu senken. Außerdem habe ich das Einzählen aktiviert, weil mich der erste Schlag jedes Mal erwischt, und mit vier Zählzeiten kam ich bei jeder Loop-Runde sauber rein.

Zum Schluss wollte ich sofort wissen, über welchen Akkord ich gerade spiele, also habe ich mir auch die Akkorde dieses Abschnitts anzeigen lassen. Damit blieb nichts mehr übrig, was ich mir nach Gehör zusammenreimen musste.

Zurück zum Originaltempo

Nach ein paar Runden im langsamen Tempo, Note für Note, war es Zeit, wieder hochzugehen. Ein Tippen setzt das Tempo auf die ursprünglichen 104 BPM zurück, und ich habe den Lick noch einmal in voller Geschwindigkeit versucht.

Es gibt dieses ganz bestimmte Gefühl, wenn eine Stelle, die wenige Minuten vorher unmöglich schien, plötzlich von selbst unter die Finger fällt, als hätten deine Hände nur darauf gewartet, dass der Rest von dir nachkommt. Genau darauf arbeitest du hin: nicht nur den Lick irgendwie hinter dich bringen, sondern den Punkt erreichen, an dem er natürlich klingt.

Jetzt wird es ernst

Als ich mich mit dem Song sicher fühlte, habe ich die isolierte Gitarrenspur stummgeschaltet und mit dem Rest der Band gespielt. Und genau das macht Spaß: Ich habe nicht mehr allein geübt. Ich war in Echtzeit mit Bass, Gitarre und Klavier im Austausch, genau wie im Proberaum oder auf der Bühne mit diesen Musiker*innen. Einen Lick isoliert zu lernen, ist eine Sache. Ihn in den Pocket eines echten Songs zu setzen und ihn leben zu lassen, ist eine ganz andere.

Jetzt bist du dran

Das ist der ganze Ablauf: Isolier die Stelle, die dir Probleme macht, verlangsame sie, bis sie Sinn ergibt, loope sie, bis deine Hände mitkommen, und spiel sie dann mit der Band. Bei mir funktioniert es, also bin ich ziemlich sicher, dass es bei dir auch klappt. Wenn dir das nächste Mal ein Solo oder ein schwerer Lick Widerstand leistet, lass ihn nicht monatelang liegen wie ich. Zerleg ihn.

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Ruben Wan

Ruben Wan ist ein in Panama geborener und in Los Angeles lebender Künstler, Gitarrist und Produzent, der für sein ausdrucksstarkes Spiel, seine originelle Musik und seinen unverwechselbaren Gitarrenstil bekannt ist. Der Absolvent des Musicians Institute (GIT) und Inhaber eines Master-Abschlusses der USC arbeitet als Studiomusiker, Live-Performer und Sessionmusiker für große Pop-Künstler und erreicht mit seiner Musik und den sozialen Medien ein weltweites Publikum. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Ruben auch ein erfahrener Dozent, der international Meisterkurse und Workshops leitet. Er hat mit großen Musikmarken zusammengearbeitet und wurde in führenden Publikationen wie Guitar World und Guitar.com vorgestellt.